bauhaus und neues sehen Fotografien von Lucia Moholy | Gertrud Arndt | Elsbeth Juda

Presseinformation Kunsthalle Darmstadt, Steubenplatz 1, 64293 Darmstadt
bauhaus und neues sehen
Fotografien von Lucia Moholy | Gertrud Arndt | Elsbeth Juda
23.04. – 05.08.13

Eröffnung: Sonntag, 21.04.2013, 17:00 Uhr (Einlass 16:30 Uhr)

„bauhaus und neues sehen“ beleuchtet eine für die Architektur- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts äußerst bedeutsame Zeitspanne. Die Werke von Lucia Moholy (1894-1989), Gertrud Arndt (1903 – 2000) und Elsbeth Juda (*1911) zeigen überraschende Wechselwirkungen zwischen der Tradition des Bauhauses und der künstlerischen Fotografie der Moderne. Die Bauhaus-Architektur wird in der Fotografie zur weltberühmten Ikone von klarer, rationaler, geometrisierter Gestaltung. Neben dynamischen Ansichten von Architektur und Design zeigen die Fotografinnen im Umfeld des Bauhauses realistische Charakterporträts von den ‚Stars‘ des Bauhauses genauso wie surreal anmutende Verfremdungen und Parodien. So entwickelt sich am Bauhaus für die Fotografie schrittweise ein weit in die Zukunft verweisendes „Neues Sehen“.

Gezeigt werden insgesamt etwa 150 Werke. Leihgeber für die Ausstellung sind das Bauhaus-Archiv, Berlin, Nachlassverwaltung Gertrud Arndt, Darmstadt, und Atelier Elsbeth Juda, London.

Auf die Grundideen des „Neuen Sehens“ antwortet der zeitgenössische Bildhauer Matthäus Thoma mit einem Ensemble konstruktivistischer und chaotisch scheinender Arbeiten. Vom 26.05. bis 06.10.2013 präsentiert er zusätzlich auf dem Gelände der Kunsthalle den Darmstädter Beitrag zur Skulpturen-Ausstellung „Blickachsen 9“.

Unterstützt wird die Ausstellung von:
kulturfonds frankfurt rheinmain – Sparkassen-Kulturstiftung Hessen Thüringen 
Sparkasse Darmstadt – Hessische Kulturstiftung – HSE Stiftung, Darmstadt  
Merck KGaA, Darmstadt Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt.

zu den einzelnen Künstlerinnen ►

Lucia Moholy (geboren 1894 in Prag, gestorben 1989 in Zürich), Ehefrau des berühmten Künstlers László Moholy-Nagy, wirkte am Bauhaus als Bilddokumentarin und als eine der ersten Lehrerinnen im Fach Fotografie überhaupt.
Lucia Moholy schuf, unter anderem mittels einer ausgeklügelten Lichtregie, Charakterporträts von prominenten Persönlichkeiten aus dem Umfeld des Bauhauses und aus der internationalen Kunstszene. So zeigt sie beispielsweise Walter Gropius, László Moholy-Nagy, Wassily und Nina Kandinsky, Paul Klee oder Johannes Itten. Eine andere zentrale Werklinie Moholys ist die Architekturfotografie. Die Fotografin dokumentiert die Entstehung der berühmten Bauhaus-Gebäude und Meisterbauten in Dessau und Weimar. Vielfach inszeniert sie die Bauhaus-Architektur durch die Wahl des Ausschnitts und der Perspektive als Ensemble geometrischer Grundelemente, das sich durchaus mit Prinzipien der konstruktivistischen Malerei vergleichen lässt. Dieses Verfahren wendet Moholy auch auf die Darstellung von bekannten Ikonen des kunsthandwerklichen Bauhaus-Designs der 1920er und 1930 Jahre an. Lucia Moholy inszeniert die Architektur des Bauhauses so gleichzeitig als Ensemble geometrischer Grundelemente und als perfekt durchgeplanten ganzheitlichen Lebensraum.

Die lange Zeit in Darmstadt lebende Textil-Gestalterin Gertrud Arndt (1903 – 2000) studierte am Bauhaus untere anderem bei László Moholy-Nagy, Josef Albers, Paul Klee und bei Georg Muche in der Webereiklasse. Sie beschäftigte sich zunehmend mit der Fotografie und entwickelte Zyklen, die ironisch zeittypische Frauenrollen reflektieren und spöttisch aushebeln. So präsentierte sie in ihrer Folge „Maskenphotos“ eine Reihe von Porträts und Selbstporträts, die feminine Koketterie bis zur bizarren Karikatur übersteigern und weibliche Attribute wie Schleier und Spitze zur Parodie auf den Mythos der „femme fatale“ werden lassen. Damit ist Gertrud Arndt eine der ersten Künstlerinnen der Moderne, die das Medium der Fotografie nutzten, um die als selbstverständlich hingenommene Geschlechterklischees zu hinterfragen. Vielfach kombiniert sie die Darstellungen der Bauhaus-Architektur mit menschlichen Figuren, die die Achsen der klaren Gebäude unterbrechen. So charakterisiert sie hintergründig – ganz im Sinne der vitruvianischen Theorie vom gelungenen Bau und nicht ohne Ironie – den Menschen als letztgültigen Modulus aller Architektur und aller Kunst.

Elsbeth Juda (geboren 1911 in Darmstadt) war eine der ersten Schülerinnen der Bauhaus-Fotografin Lucia Moholy. Sie entwickelte in London, dem Ort ihres Exils nach 1933, konsequent bildnerische Grundideen Moholys weiter. Ihre berühmten Porträts, die unter anderem im Magazin „Ambassador“ veröffentlicht wurden, eröffnen intime Einblicke in das alltägliche Leben Winston Churchills, des Bildhauers Henry Moore und anderer prominenter Künstler.
Gleichzeitig erzeugt Elsbeth Juda detailreiche Symbolbilder für die verschiedenen sozialen Klassen im England der 1930er und 1950er Jahre, vom dekadenten Adel bis zur Arbeiterschicht. Berühmt wurde Juda vor allem für ihre Modefotografie, bei der sie Stilmittel des Surrealismus nutzt, um die glatte Ästhetik der Werbefotografie ironisch zu durchbrechen. Dabei versetzt sie ‚Top-Models‘ in den Produktionsablauf einer Fabrik oder umgibt sie mit ungeschminkten Protagonisten des städtischen Alltags. Diese Fotografien waren zuletzt (Herbst 2012) im Victoria and Albert Museum in London zu sehen.

Kunsthalle Darmstadt, Steubenplatz 1, 64293 Darmstadt, www.kunsthalle-darmstadt.de

vor 5 Jahren